Hanukkah

Hanukkah

Im ersten Teil meiner Hanukkah-Reihe geht es um den historischen Hintergrund des Festes. Die nächsten Tage kommen Artikel über verschiedene Bräuche und Rezepte hinzu.

Den geopolitischen Kontext des Makkabäer-Aufstandes bildet die Lage Israels bzw. Syriens als umstrittene Pufferzone zwischen dem Ptolemäerreich in Ägypten und dem Seleukidenreich in Syrien und Mesopotamien, beides Nachfolgestaaten des im 4. Jahrhundert vdZ aufgespaltenen Alexanderreiches.

Einen ausführlichen Bericht über die folgenden Ereignisse enthält das 1. Buch der Makkabäer (Verfasser unbekannt), bzw. dessen Übertragung ins Griechische durch den Historiker Joseph ben Matattiahu, auch als Flavius Josephus bekannt.

Antiochus IV „Epiphanes“ herrschte von 175 bis 164 vdZ über das Seleukidenreich, und führte eine Reihe von Kampagnen gegen Ägypten und die Ptolemäer. Eine dieser Kampagnen fand im Jahr 168 vdZ statt, und fand ein jähes Ende, als Rom zugunsten der Ptolemäer in den Konflikt eingriff. Beim Rückzug in seine Hauptstadt beschloss Antiochus, die Stadt Jerusalem einzunehmen, was ihm ohne jeglichen Widerstand gelang. Um vermutlich die Verluste aus dem erfolglosen ägyptischen Feldzug zumindest teilweise auszugleichen, wurde eine beachtliche Menge Gold geraubt, woraufhin das seleukidische Heer aus der Stadt abzog.

Zwei Jahre später kehrten die Seleukiden nach Jerusalem zurück, diesmal mit der Absicht, die Stadt dauerhaft zu besetzen und sich die Reichtümer im Tempel einzuverleiben. Antiochus ließ den Tempel plündern und machte auch nicht vor dem Kodesh Hakodashim (das Allerheiligste des Tempels) halt. Anschließend wurde den Juden verboten, ihre täglichen Opfer darzubringen, und der Tempel wurde dahingehend entweiht, dass ein neuer Altar errichtet wurde, an dem nicht koschere Opfer dargebracht wurden. Zusätzlich wurden die griechischen Götter im Tempel verehrt und den Juden wurde auferlegt, sich diesen Gottesdiensten anzuschließen. Im Allgemeinen zielte die Besatzung Jerusalems und die Entweihung des Tempels darauf, die Bevölkerung dazu zu zwingen, die hellenische Lebensweise anzunehmen. Ein Teil der jüdischen Bevölkerung passte sich den Umständen an, so dass z.B. die von Antiochus ernannten Priester griechische Namen annahmen. Moderne Historiker deuten die Besatzung Jerusalems deswegen als Intervention der Seleukiden in einen innerjüdischen Bürgerkrieg zwischen Traditionalisten, die die griechische Kultur ablehnten, und den assimilierten Juden, die kein Problem damit hatten.

Die Priesterfamilie der Hasmonäer (hebr. Hasmona’im) aus Modi‘in, vertreten durch Mattatiahu ben Jochanan und seine Söhne, wurde zum Anführer des traditionalistischen Lagers und bekämpfte sowohl die Soldaten Antiochus‘ als auch die hellenistisch geprägten Einheimischen (Mattatiahu soll einen Juden hingerichtet haben, der ein nicht erlaubtes Opfer im Tempel darbrachte). Sie trugen den Beinamen Makkabi, der im aramäischen „Hammer“ bedeutet.

Im Jahr 164 vdZ gelang den Makkabäern unter der Führung von Juda ben Mattatiahu (Mattatiahu selbst verstarb im Jahr 165 vdZ) die Rückeroberung Jerusalems. Eine der dringendsten Aufgaben war die Wiederherstellung der alten Ordnung im Tempel, die mit dessen Reinigung und erneuter Weihe (die hebräische Wurzel חנך‎ / h-n-k bedeutet „weihen“, „widmen“) einherging. Dies geschah laut Überlieferung am 25. Tag des jüdischen Monats Kislew, der heute noch der erste Tag des achttägigen Channukafestes ist. Damals ordnete Juda Makkabi Feierlichkeiten an, die ebenfalls acht Tage lang dauern sollten.

Der Talmud (Traktat Schabbat) berichtet, dass die Hasmonäer bei der Tempelreinigung lediglich ein Fläschchen Brennöl für das ewige Licht (ner tamid) fanden, das noch das Siegel des Hohepriesters trug. Das darin enthaltene Öl reichte nur für einen Tag aus, und die Herstellung neuen Öls hätte acht Tage gedauert. Ein Wunder geschah jedoch, und das Öl aus dem einzigen vorhandenen Fläschchen brannte acht Tage lang – das heute gefeierte Chanukka-Wunder! Auf diese Überlieferung wird der Brauch acht Lichter zu zünden zurückgeführt.

Nach der Befreiung Jerusalems folgten weitere Feldzüge gegen benachbarte Stämme und Völker sowie gegen die noch vorhandenen Truppen der Seleukiden, in denen sich die Hasmonäer die Vorherrschaft über die Region sichern konnten. Sie stellten die Fürsten von Judäa für die nächsten 100 Jahre, bis Herodes der Große mit römischer Unterstützung die Macht übernahm.

Was vom Makkabäer-Aufstand heute übrig bleibt, ist die Behauptung jüdischer Identität gegen fremde Einflüsse, sowie eine erneute Staatsgründung inmitten feindlich gesinnter Nachbarn, was der zionistischen Bewegung Inspiration und ein weiteres historisches Vorbild verlieh. Die Heldenfigur des Juda Makkabi gilt als Symbol für Tapferkeit und Hartnäckigkeit, und wurde immer wieder auf Briefmarken und Grußkarten verwendet, um einen Zusammenhang zwischen der Besiedelung des neugegründeten Staat Israel bzw. dessen Verteidigung, und dessen erfolgreichen Aufstand vor 2000 Jahren herzustellen.

Der womöglich populärste moderne Bezug zu den Makkabäern ist wahrscheinlich die Benennung etlicher Sportvereine in Israel und in der Diaspora (Makkabi chai!), sowie der Maccabi World Union, einem internationalen Dachverband jüdischer Sportorganisationen mit Sitz in Ramat Gan bei Tel Aviv.



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