Familie und so.

Familie und so.

An Weihnachten kommt die ganze Familie zusammen.
Es wird zusammen gegessen, gefeiert und eine schöne, geruhsame Zeit verbracht.

Soweit die Theorie.

Das hier wird kein Artikel, der heimelige und schöne Zeiten mit Familie und Co. heraufbeschwört.

Es geht um Weihnachten, es geht um Familie und es geht um Corona.

Weihnachten ist nicht nur dieses viel beschwört heimelige Familienfest voller Liebe, Punsch und Glückseligkeit. Es ist Ausnahmezustand. Corona stellt für viele Familien noch eine Verschärfung dar. Wenn ein Teil der Familie sich als Covidioten outet, hat das oft weitreichende Folgen. Nicht nur für die Aktuelle Zeit oder Weihnachten.

Nicht mehr “nur” die Frage, wie mit der Pandemie umzugehen ist, sondern auch die Frage wie als Familie mit dem Umgang mit der Pandemie der oder des Covidioten umzugehen ist.

Zusammentreffen mit der Familie können, wenn man eben so einen Covidioten in der Familie hat, besonders anstrengend sein.

Menschen, die jede AHA-Regel für einen Witz und nicht nötig halten, gefährden eben nicht nur sich, sondern alle um sich. Sie missachten die Regeln meist nicht nur selektiv, sondern konsequent.

Wer sich jeden Tag mit einer anderen Gruppe Menschen dicht an dicht trifft und – in absoluter Todesverachtung und Verweigerung aller Fakten – sich auf seine guten Gene, sein tolles Immunsystem und ewige Jugend oder Gesundheit einschwört, wird wahrscheinlich nur wenig Gründe sehen, bei Kontakt mit Personen aus Risikogruppen Achtsamkeit walten zu lassen.

Die waren eh krank. So schlimm ist das nicht. Oder einfach die Wahrscheinlichkeit erhöhen dass “es könnte das letzte weihnachten sein” dann doch noch eintrifft. Ganz egal. Es wird sich auf auf den eigenen Hedonismus und die Ignoranz der Gesundheit und der körperlichen Unversehrtheit seiner Mitmenschen noch einen gejodelt.

“Da merkt man erst, was man für Leute kennt.”

Diesen Satz hörte ich vor ein paar Tagen in einer Unterhaltung, und er fasst für mich gerade sehr viel, sehr gut zusammen.

Ich habe Covidioten in der Familie. Nicht nur einen. Ich habe das zweifelhafte Vergnügen mit mehreren.

Die Erkenntnis war zwar hart aber angesichts dessen, wie ich diese Menschen kenne, wenig überraschend. Was mich über die letzten Monate wirklich verwundert hat, ist die Hartnäckigkeit mit der jede Verantwortung oder jedes sinnvolle Verhalten abgelehnt wird.

Ich schreibe jetzt nicht von Menschen, die einen Lappen vor dem Gesicht als Freiheitsberaubung sehen, sondern von Menschen, die seit Beginn der Pandemie weder verstanden haben, wofür sich Hände waschen oder Kontakte reduzieren sinnvoll sein soll.

Menschen, für die die Empfehlung der Kontaktbeschränkung noch eine Herausforderung zu sein scheint, sich mit möglichst vielen verschiedenen anderen Menschen in möglichst kurzer Zeit möglichst oft zu treffen.

Die Frage, ob diese Menschen wirklich so blöd sind, wie sie sich verhalten, ist für mich nicht nur eine rhetorische, die ich mir seufzend leider selbst beantworten kann. Sie wird dann relevant, wenn man begreifen will, welcher Film beim gegenüber läuft. Ist die Person wirklich nicht in der Lage die Informationen zu verarbeiten und hat daher Probleme ihr Verhalten anzupassen, oder ist der Person die Lage und die Situation klar, und sie nutzt lediglich ihr Privileg ganz gediegen darauf zu scheißen?

Auch die Frage, ob der Covidiot der Familie nur blöd oder einfach hart rechts ist, stellt sich irgendwann. Das stellt sich ja nicht binär, sondern als ein ganzes Intervall an Möglichkeiten dar.

Fight or Flight

Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir Position beziehen müssen. Fresse halten, vielleicht grummelnd billigen oder Position beziehen und den eigenen Standpunkt klar machen. Zeigen dass man nicht einverstanden ist und dass man gewisse Handlungen und Haltungen weder akzeptieren kann noch will.

Das – und das ist das eigentlich traurige an Covidioten in der Familie – entscheidet , wo und wie es weiter geht.

Der Covidiotus vulgaris hat keine Probleme mit seinem asozialen und für andere schädlichen Verhalten.
Der Covidiotus vulgaris reagiert jedoch mit verbalen Ausfällen darauf, auf genau dieses Verhalten angesprochen zu werden.

Beobachtungen von Covitiotus vulgaris in ihrer natürlichen Umgebung seit März 2020.

Corona begleitet uns seit nun zehn Monaten. Gefühlt ist es nicht möglich, längere Zeit Medien zu konsumieren ohne damit konfrontiert zu werden. Die Basics sollten also jedem Menschen bekannt sein. Auch in jeder Art von Bubble.

Dachte ich. Dachte ich wirklich. Bis ich dann hörte, wie einer der Covidiotus vulgaris meiner Familie, meiner chronisch kranken, frisch am Gehirn operierten Mutter erklärte, dass wenn sie Angst vor Corona hätte, sie doch ihr Zeug packen und da hin ziehen solle, wo es kein Corona gäbe.

Atlantis, wir kommen !

Nicht nur, dass es das mit Abstand blödeste war, was ich 2020 gehört habe (und ich lese die Kommentarspalten der großen Zeitungen, das härtet massiv ab), es lässt mich auch fassungslos über die Dreistigkeit und der Verweigerung aller Fakten zurück.

Meinungen sind wie Arschlöcher – jeder hat eins.

Die Bitte um Abstand wird zur “Glaubensfrage”. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden zu Meinungen und alle Meinungen sind gleich viel wert.

Warum studieren und forschen Menschen, wenn es doch so viele Meinungen gibt und niemand wissen kann, wer recht hat?
Der Hundefrisör der Schwester meines Gärtners seiner, sie wissen schon…. Meinung ist genau so wichtig, relevant und fundiert wie die Meinung von Wissenschaftlern, die seit Jahrzehnten forschen.

Das ist nichts anderes als die totale und völlige Absage an Bildung und Wissenschaft, einhergehend mit der völligen Überhöhung des eigenen Horizonts. Was schon mal passieren kann, wenn eben dieser Horizont nichts anderes als ein Brett vor dem Kopf ist.

Es gibt Teile meiner Familie, die ich erst in Zeiten der Pandemie richtig kennengelernt habe. Die mir gezeigt haben, wie unsolidarisch und asozial sie sein können, während sie das Dogma der Familie nur zu gern publikumswirksam beschwören und inszenieren.

Solidarität und Rücksicht hören weder bei einem selber auf, noch handelt es sich um eine Einbahnstraße.

Wir sind fertig und das ist gut so.

#Blogvent2020

Das ist mein Beitrag zum zehnten Tag des #Blogvent2020 von Meergedanken. Ich will an dieser Aktion teilnehmen und wie in einem kleinen Adventskalender jeden Tag einen mehr oder weniger ausführlichen Artikel veröffentlichen. 

Beiträge zum zweiten Advent anderer teilnehmender Blogs

Ältere Beiträge zum #Blogvent2020

  1. Adventskalender
  2. Von Kevin bis Charlie Bucket
  3. Es weihnachtet
  4. Max Reger Op. 128 I
  5. Kommt noch
  6. Der Nikolaus kommt nicht
  7. Kommt noch
  8. Und Nochmal
  9. Kommt noch


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